Steek schneiden beim Islandpullover – Mut, Schere und ein bisschen Magie
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Es gibt diesen einen Moment beim Stricken von Fair-Isle- oder Islandpullovern, der selbst erfahrene Strickerinnen kurz innehalten lässt:
Der Moment, in dem die Schere ins Gestrickte gesetzt wird.
Genau das passiert beim sogenannten Steek.
Viele kennen den Begriff, aber wenn es ans tatsächliche Schneiden geht, schlägt das Herz doch etwas schneller.
Was ist ein Steek?
Ein Steek ist ein zusätzlich gestrickter Maschenstreifen, der später aufgeschnitten wird, um aus einem rundgestrickten Teil beispielsweise eine Strickjacke zu machen.
Der Vorteil:
Das gesamte Muster kann in Runden gestrickt werden, ohne Rückreihen oder komplizierte Farbwechsel auf der Rückseite.
Gerade bei Islandpullovern oder nordischen Mustern ist das eine enorme Erleichterung.

Typischer Ablauf:
Der Pullover wird komplett in Runden gestrickt
Vorne wird ein Steekbereich mit zusätzlichen Maschen eingeplant
Diese Maschen werden später gesichert
Anschließend wird zwischen zwei Maschenreihen geschnitten
Ja – wirklich geschnitten.
Steek sichern – damit nichts aufribbeln kann
Bevor die Schere zum Einsatz kommt, wird der Steek fixiert.
Dafür gibt es mehrere Methoden:
mit der Nähmaschine (meine Methode)
mit gehäkelten Kettenmaschen
mit Handstichen
Ich nähe zwei Linien knapp neben der späteren Schnittlinie.
Die Wolle wird dabei leicht zusammengedrückt und stabilisiert – besonders gut funktioniert das mit rustikaler Islandwolle wie Lettlopi, weil sie leicht verfilzt und dadurch sehr stabil ist.

Der Moment der Wahrheit: schneiden
Dann kommt der spannendste Teil.
Die Schere wird genau zwischen den beiden Nahtlinien angesetzt und der Steek wird aufgeschnitten.
Das fühlt sich im ersten Moment fast verboten an – schließlich hat man gerade viele Stunden Arbeit auf den Nadeln.
Aber genau hier zeigt sich, wie genial diese Technik ist.
Die Maschen bleiben stabil und nichts löst sich auf.

Warum ich Steeks liebe
Steeks eröffnen beim Stricken unglaublich viele Möglichkeiten:
Fair-Isle-Muster lassen sich entspannt in Runden stricken
man kann Jacken statt Pullover arbeiten
Muster bleiben gleichmäßig und sauber
Und ehrlich gesagt:
Es hat auch etwas sehr Befriedigendes, ein Strickstück so präzise zu transformieren.
Ein bisschen Mut gehört dazu – aber danach fragt man sich meistens, warum man sich überhaupt Sorgen gemacht hat.
Mein Tipp für den ersten Steek
Wenn du noch nie einen Steek geschnitten hast:
Nimm griffige Wolle (z. B. Islandwolle)
Nähe oder häkle den Steek gut fest
Schneide langsam und genau
Und dann genieße den Moment.
Denn ein Steek ist einer dieser kleinen magischen Momente im Strickhandwerk – ein bisschen Nervenkitzel inklusive.